Einblick in den Alltag einer Familienhebamme Einblick in den Alltag einer Familienhebamme

Rund um Schwangerschaft, Geburt und die ersten Lebensjahre eines Kindes tauchen bei vielen Familien zahlreiche Fragen auf – und manchmal auch Unsicherheiten. Neben der medizinischen Versorgung gibt es in Mecklenburg-Vorpommern ein besonderes Unterstützungsangebot für Eltern: Familienhebammen sowie Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger*innen (FGKiKP). Doch was genau verbirgt sich hinter diesen Berufsbezeichnungen? Welche Aufgaben übernehmen sie, wie können Familien ihre Hilfe in Anspruch nehmen und welche Rolle spielen dabei die Frühen Hilfen?

Familienhebamme Karina Schloss

Frau Karina Schloss (FGKiKP aus dem Landkreis Rostock)

Interview mit Karina Schloss

Antworten auf diese und viele weitere Fragen gibt das folgende Interview. Frau Claudia Koch, Projektleiterin der Landesfachstelle Familienhebammen in Mecklenburg-Vorpommern, spricht mit Frau Karina Schloss, Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin aus dem Landkreis Rostock, über ihre tägliche Arbeit, die Bedeutung früher Unterstützung für Familien und die Herausforderungen sowie Chancen ihres Berufsalltags.

Das Gespräch wurde im Juni 2022 geführt. 

Familienhebamme Karina Schloss

Frau Karina Schloss (FGKiKP aus dem Landkreis Rostock)

Was ist eine Familienhebamme (bzw. eine FGKiKP) und was sind die Aufgaben?

Das ist eine staatlich anerkannte und ausgebildete Hebamme/Kinderkrankenschwester mit einer Zusatzqualifizierung (dauert in der Regel ca. 1 Jahr) zur FGKiKP/Familienhebamme. Diese übernimmt die Betreuung von Familien ab der 9. Lebenswoche des Kindes bis zum Ende des ersten Lebensjahres. Vorrangig sind Familienhebammen bzw. FGKiKP in Familien mit schwierigen Lebensumständen (z. B. bei Suchtproblemen oder bei finanziellen Problemen) tätig und unterstützen die Familien bei der Versorgung von Kindern.

Wie gestaltet sich Ihre Arbeit? Üben Sie diese hauptberuflich aus?

Ich selbst mache es nebenberuflich und arbeite in der KMG Klinik in Güstrow. Gut ist, dass man die Familien dann schon in der Klinik kennenlernt und bereits Vertrauen aufgebaut hat. Durch das gute Netzwerk kennen sich alle gegenseitig und wir stehen in einem guten Kontakt untereinander. Die Kolleg*innen von der Gynäkologie in der KMG Klinik melden sich bei mir, wenn sie bei Familien einen Unterstützungsbedarf erkennen. Ich kann mich bei den Familien vorstellen und Vertrauen aufbauen. Aus Erfahrung laufen die Fälle, die bereits in der Klinik anlaufen, sehr gut.

Was ist denn bisher Ihr schönstes Erlebnis in einer Familie?

Das kann ich genau sagen - die zweite Familie, die ich betreut habe: Der Unterstützungsbedarf ist schon in der Klinikdeutlich geworden. Die Eltern lehnten anfangs alle Hilfsangebote ab. Nach einigen Wochen kam dann die Anfrage über das Jugendamt an meine Koordinatorin im Gesundheitsamt. Da ich die Familie bereits kannte, nahm ich den Fall an. Es gab viele Versuche den Kontakt zur Familie aufzubauen und es hat lange gedauert bis das Vertrauen da war. Es entwickelte sich eine tolle gegenseitige Zusammenarbeit und ich betreute die Familie und das Kind bis zum ersten Lebensjahr. Zum 1. Geburtstag des Kindes wurde ich mit eingeladen und mit einem Geschenk verabschiedet.

Sind Familien anfangs oft skeptisch – und später umso dankbarer für die Unterstützung?

Ja, vor allem Familien, bei denen die Anfrage über das Jugendamt an das Gesundheitsamt kommt, sind anfangs sehr skeptisch. Sie haben eine kleine Hemmschwelle zum Jugendamt und sind dann aber doch offen, wenn sie hören, dass ich Familien- Gesundheits- und Kinderkrankenschwester bin.
Dieses Jahr habe ich ca. 10 Familien betreut. Ich begleite die Familien bei Fragen zur Ernährung des Kindes, Problemen bei der Haushaltsführung, finanziellen Problemen (z. B. Schulden, Suchtprobleme) oder psychischen Auffälligkeiten bei den Eltern.

Wie lange betreuen Sie die Familien durchschnittlich?

Durchschnittlich tatsächlich bis zum 1. Lebensjahr. Denn im Gespräch merkt man, dass Vertrauen da ist und man sich aneinander gewöhnt hat. Manchmal geht sie sogar über das 1. Lebensjahr hinaus. Es gibt eine Familie, die ich noch nachbetreue aufgrund einer speziellen Belastung (Suchtprobleme der Eltern).

Welche Themenbereiche nehmen die Eltern gern an und bei welchen ist es generell etwas schwieriger?

Speziell auf die Ernährung des Kindes bezogen nehmen die Eltern die Unterstützung sehr gut an. Wahrscheinlich, weil ich Kinderkrankenschwester mit 30 Jahren Erfahrung bin und auch ein eigenes Kind habe. Die Hemmschwelle ist bei Suchtproblemen und finanziellen Angelegenheiten größer, weil die Familien sich zum Teil schämen und nicht darüber reden wollen… das ist dann meist ein längerer Prozess.

Für mich ist daher eine längere Betreuung wichtig. Dadurch erkennt man die Defizite bzw. Problemlagen in der Familie und kann diese in kleinen Schritten besprechen und Hilfe suchen. Das finde ich sehr wichtig und das ist bei einer kurzweiligen Betreuung nicht so möglich. Man muss sensibel vorgehen. Jede Familie ist unterschiedlich. Manche sind sehr offen und manche sehr verschlossen und haben psychische Probleme. Da muss man vorsichtig sein mit seiner Wortwahl.

Was wünschen Sie sich von Politik und Gesellschaft für Familien?

Ich wünsche mir mehr Aufklärungsarbeit und eindeutig mehr Aufmerksamkeit für unsere Arbeit. Dass die Information zu den Familienhebammen und Familien-Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin mehr in die Familien geht und sie wissen, dass es da Hilfe gibt. Von der Gesellschaft wünsche ich mir, dass wieder mehr zugehört und miteinander gesprochen wird. Und, dass sich untereinander mehr geholfen wird und man gegenseitig aufeinander aufpasst.
Und von der Politik ganz klar, dass einige Anträge einfacher gestaltet werden müssen. Die finde ich selbst sehr kompliziert und für manche Familien sind sie unüberwindbar. Da brauchen sie unbedingt Hilfe.

Herzlichen Dank für das Interview!

Familienhebammen und FGKiKP in MV

Eine Familienhebamme finden Sie über das zuständige Gesundheitsamt im Landkreis, die Ansprechpartner*innen sind auf der Homepage der Landesfachstelle Familienhebammen in M-V vermerkt (www.familienhebammen-in-mv.de).

In ganz Mecklenburg-Vorpommern gibt es aktuell circa 40 aktive Fachkräfte und im Landkreis Rostock 5 bis 6 Familienhebammen/FGKiKP.

Liste

11 Adressen gefunden

Familien frühzeitig zu unterstützen, ihnen Orientierung zu geben und passgenaue Hilfen im Alltag zugänglich zu machen – genau dafür setzen sich die Frühen Hilfen ein. Doch wie gelingt es, Angebote so zu gestalten, dass sie Familien wirklich erreichen? Eine wichtige Rolle spielt dabei die sozialräumliche Arbeit: Sie nimmt die Lebenswelt von Familien in den Blick und vernetzt Unterstützungsangebote direkt vor Ort.

Regionale Begleitungsangebote und Hilfen für Eltern in der Schwangerschaft und in den ersten Jahren mit Baby und Kleinkind.

Viele Eltern kennen sie – die Phase, in der ihr Kind plötzlich wild wird, brüllt, sich auf den Boden wirft oder scheinbar grundlos schreit. Was lange Zeit als „Trotzphase“ bezeichnet wurde, ist heute unter dem Begriff Autonomiephase bekannt. Der neue Begriff macht deutlich, welchen wichtigen Entwicklungsschritt ein Kind in dieser Phase erlebt –mehr Selbstständigkeit und ein wachsendes Ich-Gefühl. Zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr erreicht diese Entwicklung bei vielen Kindern ihren Höhepunkt. Sie wollen selbst entscheiden, mitbestimmen. Für Eltern kann das herausfordernd, anstrengend und emotional belastend sein.

Wenn Babys schreien, ist das zunächst ganz normal – es ist ihre einzige Möglichkeit, sich mitzuteilen. Doch wenn das Schreien stundenlang anhält, kaum Pausen zulässt und scheinbar grundlos kommt, kann das für Eltern zur Zerreißprobe werden. Alles dreht sich ums Beruhigen, um Schlafmangel, um die Suche nach dem nächsten Tipp. Und oft bleibt das Gefühl zurück: Wir tun alles – und nichts hilft. Dieser Artikel will Orientierung geben: Was genau ist ein Schreibaby? Woher kommt das viele Schreien – und welche Unterstützung gibt es in Mecklenburg-Vorpommern für Eltern?

Die Geburt eines Kindes verändert das Leben von Familien grundlegend. Neben vielen glücklichen Momenten bringt diese Zeit oft auch körperliche Erschöpfung, emotionale Belastungen und organisatorische Herausforderungen mit sich. Gerade im Wochenbett und in den ersten Monaten nach der Geburt kann Unterstützung im Alltag eine große Entlastung sein und Familien dabei helfen, wieder Kraft zu schöpfen.

    Hintergrundinformation:

    Das Landesprogramm Familienhebammen wird vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern seit 2008 gefördert. Es stellt ein wichtiges Angebot im Rahmen der Frühen Hilfen dar. Ziel ist es jungen Familien frühestmögliche Angebote zur Stärkung ihrer Beziehungs- und Erziehungskompetenz zur Sicherung des Kindeswohles zu unterbreiten. Ein wesentlicher Beitrag dieses Ziel zu erreichen ist der Einsatz von Familienhebammen und Familien-Gesundheits- & Kinderkrankenpfleger*innen.

    Frühen Hilfen in Mecklenburg-Vorpommern

    Die Frühen Hilfen in Mecklenburg-Vorpommern umfassen verschiedene Unterstützungsangebote. Diese werden in Netzwerken Frühe Hilfen koordiniert. Hier arbeiten Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen der Frühen Hilfen zusammen:

    • Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen,
    • der Schwangerschaftsberatung,
    • der Frühförderung und
    • der Kinder- und Jugendhilfe und noch viele mehr.

    Die Fachkräfte tauschen ihr Wissen über ihre jeweiligen Angebote aus und stimmen diese aufeinander ab, um Sie als Familie bestmöglich unterstützen zu können. Netzwerkkoordinator*innen steuern und begleiten die Vernetzungsarbeit in Ihren Landkreisen und kreisfreien Städten.