Familien stärken: Einblicke in die Arbeit einer Mütterpflegerin Familien stärken: Einblicke in die Arbeit einer Mütterpflegerin

Die Geburt eines Kindes verändert das Leben von Familien grundlegend. Neben vielen glücklichen Momenten bringt diese Zeit oft auch körperliche Erschöpfung, emotionale Belastungen und organisatorische Herausforderungen mit sich. Gerade im Wochenbett und in den ersten Monaten nach der Geburt kann Unterstützung im Alltag eine große Entlastung sein und Familien dabei helfen, wieder Kraft zu schöpfen.

Liza Becker, examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin

Interview mit Liza Becker

Mütterpflegerinnen unterstützen Familien genau in dieser sensiblen Phase: Sie helfen im Haushalt, kümmern sich um Geschwisterkinder und stehen Müttern emotional zur Seite. Für FamilienInfo MV haben wir mit Liza Becker, Mütterpflegerin in Mecklenburg-Vorpommern, gesprochen. Im Interview berichtet sie von ihrem Arbeitsalltag, den Herausforderungen vieler Familien und ihren Wünschen für die Zukunft der Mütterpflege.

Das Interview wurde im Oktober 2025 geführt. 

Liza Becker, examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin

Was macht eine Mütterpflegerin und wie unterscheidet sich ihre Arbeit von der einer Hebamme?

Wir Mütterpflegerinnen schließen eine wichtige Lücke: Wir sind da, wenn im Alltag helfende Hände gebraucht werden. Das heißt: Wir gehen einkaufen, kochen, kümmern uns um Wäsche, sorgen für Ordnung, betreuen Geschwister oder passen auf das Baby auf, wenn die Mutter eine Pause braucht. Gleichzeitig sind wir vertraute Gesprächspartnerinnen in dieser sehr sensiblen Phase, hören zu und unterstützen beim Ankommen in der neuen Rolle.

Hebammen übernehmen dagegen die medizinische Begleitung. Sie dürfen Diagnosen stellen, beraten beim Stillen und achten auf die Gesundheit von Mutter und Kind. Das ist nicht unsere Aufgabe – wir sind die Alltags- und Lebenshelferinnen.

Wann ist die Unterstützung besonders hilfreich?

Das ist ganz unterschiedlich. Oft sind es Frauen, die schon ein Kind oder mehrere Kinder haben – da läuft der Alltag einfach weiter, obwohl man eigentlich Ruhe bräuchte. Auch bei Mehrlingen, nach einem Kaiserschnitt oder nach sehr anstrengenden Geburtsverläufen werden wir oft angefragt. Manche Frauen brauchen schon während der Schwangerschaft Unterstützung, wenn Bettruhe notwendig ist oder starke Beschwerden auftreten. Und manchmal sind es psychische Belastungen, die den Alltag schwer machen. Wir springen dort ein, wo sonst niemand da ist – auch ganz ohne „besondere“ medizinische Gründe.

Wie erleben Sie die ersten Wochen nach der Geburt?

Diese Zeit ist wirklich ein Ausnahmezustand. Der Körper muss heilen, das Baby will rund um die Uhr versorgt werden – und das alles in einer Phase größter Erschöpfung. Viele Mütter fühlen sich isoliert, einsam oder überfordert. Gefühle können in dieser Zeit Achterbahn fahren: Freude und Liebe wechseln sich mit Traurigkeit, Überforderung oder Sehnsucht nach dem alten Leben ab. Dazu kommt oft Druck von außen – die Erwartungen passen nicht zur Realität. Hier braucht es Menschen, die einfühlsam begleiten, Mut machen und zeigen: Deine Gefühle sind normal.

Wer übernimmt die Kosten?

Die meisten Familien stellen einen Antrag bei ihrer Krankenkasse. Dafür braucht es ein Attest von Ärztin, Arzt oder Hebamme. Wichtig ist: Es darf niemand anderes im Haushalt geben, der die Aufgaben übernehmen könnte. Wird der Antrag genehmigt, trägt die Kasse die Kosten. Manchmal fällt eine kleine Zuzahlung von 5–10 € pro Tag an – das sagen wir aber ganz offen. Und keine Angst: Wir helfen den Familien auch bei der Antragstellung, damit es nicht kompliziert wird.

Wie arbeiten Sie mit Hebammen und anderen Fachkräften zusammen?

Häufig sind es Hebammen, Ärzt*innen oder Sozialdienste, die Familien auf uns aufmerksam machen. Eine engere Zusammenarbeit, vor allem mit Hebammen, wäre sehr hilfreich. So könnten wir deren Empfehlungen – zum Beispiel beim Stillen – im Alltag mit umsetzen und den Frauen noch besser zur Seite stehen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Vor allem wünsche ich mir mehr Selbstverständlichkeit und Anerkennung. Der Start ins Elternsein ist eine sensible und schützenswerte Zeit – das darf die Gesellschaft ruhig stärker sehen. „Alles immer irgendwie alleine schaffen“ klingt stark, geht aber oft auf Kosten der Gesundheit, gerade der Mütter. Wir sollten präventiver denken, Familien frühzeitig stärken und ihnen den Zugang zu Unterstützung erleichtern. Am schönsten wäre ein flexibles Stundenkontingent für jede frischgebackene Mutter als Regelleistung. Denn noch immer höre ich viel zu oft: „Hätte ich nur früher gewusst, dass es sowas gibt…“

Der Start ins Elternsein ist eine sensible und schützenswerte Zeit – das darf die Gesellschaft ruhig stärker sehen. Wir sollten präventiver denken, Familien frühzeitig stärken und ihnen den Zugang zu Unterstützung erleichtern.

Liza Becker

examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin

Was raten Sie Eltern, die sich Unterstützung wünschen, aber nicht wissen, wohin sie sich wenden sollen?

Am besten so früh wie möglich nach einer Mütterpflegerin suchen! Ein bundesweites Verzeichnis gibt es leider noch nicht. Aber über die eigene Stadt oder Region findet man Angebote im Internet. In Mecklenburg-Vorpommern sind wir gut vernetzt und leiten Familien bei Bedarf an Kolleginnen weiter.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Becker!

 

Mütterpflege auf einen Blick

  • Wann eine Mütterpflegerin hilft Nach der Geburt im Wochenbett
    Bei Mehrlingen oder nach einem Kaiserschnitt
    Während der Schwangerschaft bei Bettruhe oder gesundheitlichen Beschwerden
    Bei Erschöpfung oder psychischer Belastung
  • So kommt die Unterstützung ins Haus Antrag bei der eigenen Krankenkasse stellen
    Attest von Ärztin/Arzt oder Hebamme erforderlich
    Voraussetzung: Niemand anderes im Haushalt kann die Aufgaben übernehmen
    Zuzahlung von 5 – 10 € pro Tag möglich
  • Mütterpflegerinnen in Mecklenburg-Vorpommern finden Frühzeitig Kontakt aufnehmen – die Nachfrage ist oft hoch
    Online nach Angeboten in der Region suchen: Zwar gibt es noch keine zentrale Anlaufstelle, aber viele Mütterpflegerinnen in MV bieten ihre Leistungen über eigene Websites oder regionale Netzwerke an

Begleiten und Unterstützen Familien in der sensiblen Zeit rund um die Geburt und in den ersten Jahren mit Kind.

Wenn Babys schreien, ist das zunächst ganz normal – es ist ihre einzige Möglichkeit, sich mitzuteilen. Doch wenn das Schreien stundenlang anhält, kaum Pausen zulässt und scheinbar grundlos kommt, kann das für Eltern zur Zerreißprobe werden. Alles dreht sich ums Beruhigen, um Schlafmangel, um die Suche nach dem nächsten Tipp. Und oft bleibt das Gefühl zurück: Wir tun alles – und nichts hilft. Dieser Artikel will Orientierung geben: Was genau ist ein Schreibaby? Woher kommt das viele Schreien – und welche Unterstützung gibt es in Mecklenburg-Vorpommern für Eltern?

Wenn ein Kind geboren wird, verändert sich das Leben spürbar. Der Tagesrhythmus folgt nun anderen Taktgebern, Routinen müssen neu gedacht und Aufgaben neu verteilt werden. Was vorher selbstverständlich war – ein Gespräch am Abend, gemeinsame Zeit als Paar, Planbarkeit im Job – rückt in den Hintergrund. Viele Familien erleben diese Phase als eine Mischung aus Glück, Erschöpfung und wachsender Verantwortung. Fragen tauchen auf: Wie finden wir als Paar unsere neue Rolle? Wer bleibt wie lange zu Hause? Wie gelingt die Rückkehr in den Beruf – und was ist eigentlich mit der Zeit für uns selbst? Antworten darauf gibt es nicht pauschal. Aber es gibt Möglichkeiten, den Familienalltag so zu gestalten, dass er zur eigenen Lebenssituation passt.

Die Geburt von Zwillingen, Drillingen oder weiteren Mehrlingen bringt besondere Herausforderungen mit sich. Bereits während der Schwangerschaft steigt das gesundheitliche Risiko für Mutter und Kinder, und die organisatorischen Anforderungen wachsen. Nach der Geburt verändert sich der Alltag oft grundlegend: Mehrere Säuglinge gleichzeitig zu betreuen bedeutet häufig eine Dauerbelastung für die ganze Familie. Hinzu kommen zusätzliche Kosten für Erstausstattung, Pflegeprodukte oder notwendige Umbaumaßnahmen in der Wohnung. Neben der doppelten oder mehrfachen Freude bedeutet sie für viele Familien eine Zeit intensiver Umstellung. Für Eltern in dieser Situation gelten daher spezielle gesetzliche Regelungen – ergänzt durch Hilfsangebote auf Landes- und Bundesebene.

Die Zeit nach der Geburt ist für viele Familien eine Phase des Ankommens, der Umstellung und des Kennenlernens. Das sogenannte Wochenbett beginnt mit der Geburt des Kindes und dauert in der Regel sechs bis acht Wochen. Es dient der körperlichen Erholung der Mutter, dem Aufbau einer sicheren Bindung und dem Einfinden in den neuen Familienalltag. In dieser Phase stehen Ruhe, Unterstützung und Geduld im Mittelpunkt. Die körperlichen Veränderungen, hormonellen Umstellungen und emotionalen Herausforderungen sind vielschichtig. Gleichzeitig ist es eine Zeit, in der neue Routinen entstehen, Beziehungen wachsen und sich das Familienleben neu sortiert. Das Wochenbett ist eine besondere, oft sehr intime Zeit, die achtsame Begleitung verdient.

Regionale Begleitungsangebote und Hilfen für Eltern in der Schwangerschaft und in den ersten Jahren mit Baby und Kleinkind.