Landespräventionspreis 2025 „Augen auf! Gewaltprävention in der Pflege“

Gewalt in der Pflege ist komplex und kann Pflegebedürftige ebenso wie Pflegende oder Angehörige treffen. Studien zeigen, dass etwa 90 Prozent der professionellen Pflegekräfte innerhalb eines Jahres Gewalt erlebt haben. Gleichzeitig gaben 70 Prozent an, in diesem Zeitraum auch selbst Gewalt gegenüber Pflegebedürftigen ausgeübt zu haben.

Die Preisträger erhalten im Rahmen des 13. Landespräventionstages „Augen auf! Gewaltprävention in der Pflege“ am 3. Juli 2025 an der Hochschule Neubrandenburg den „Oscar der Kriminalprävention Mecklenburg- Vorpommern“, Urkunden und – Geldprämien in Höhe von insgesamt 3.500 Euro.

Die Auswahl der Preisträgerinnen und Preisträger erfolgt durch eine Jury. Einsendeschluss ist der 25. April 2025!

JugendNotmail – Online-Beratung für junge Menschen in seelischer Not

Hallo Frau C laessen, Danke, dass Sie sich Zeit für den Blog nehmen. Stellen Sie sich bitte einmal kurz vor.

Ein herzliches Dankeschön, dass wir uns hier mit JugendNotmail vorstellen dürfen. Mein Name ist Katharina Claessen und ich bin seit April 2021 für JugendNotmail tätig. Während meines Psychologiestudiums an der Fernuniversität in Hagen habe ich 2021 ein Praktikum bei der JugendNotmail gemacht. Dabei habe ich einen tollen Einblick in die Beratungstätigkeit bekommen und auch das Miteinander der dort Arbeitenden hat mich begeistert. Nach erfolgreichem Abschluss meines Studiums und meiner Ausbildung Integrativer Psychotherapie blieb ich JugendNotmail als ehrenamtliche Beraterin treu und bin dankbar nun auch hauptberuflich hier arbeiten zu können.

Ich erinnere mich daran, als junge Heranwachsende in einer schwierigen Situation Unterstützung erhalten zu haben, um weitergehen zu können. Heute darf ich dazu beitragen, dass junge Menschen in herausfordernden Situationen Unterstützung erhalten.

Seit wann gibt es die Beratung der JugendNotmail und was verbirgt sich dahinter? Welche Bereiche gibt es? Was sind die Aufgaben und Arbeitsschwerpunkte?

Die JugendNotmail, ein bundesweites Online-Beratungsangebot für Kinder und Jugendliche im Alter von 10 bis 19 Jahren, wurde vor über zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen und markiert einen Meilenstein in der digitalen Jugendhilfe. Die Gründerin, eine erfahrene Grundschullehrerin namens Claudine Krause, war durch ihre pädagogische Tätigkeit auf ein dringendes Bedürfnis gestoßen: Viele Probleme junger Menschen konnten innerhalb des schulischen Rahmens nicht angemessen adressiert oder gelöst werden, besonders wenn es um sensible Themen wie psychische Belastungen oder Suizidgedanken ging.

Claudine Krause erkannte früh, dass das Internet, trotz seiner damaligen Neuartigkeit, ein enormes Potenzial für die anonyme und niedrigschwellige Unterstützung von Kindern und Jugendlichen bot. So entstand die Idee der JugendNotmail, eine Plattform, die es jungen Menschen ermöglicht, in einem geschützten Rahmen über ihre Sorgen und Nöte zu sprechen. Dieses Angebot wurde mit der Zeit durch verschiedene Angebote, wie der App
„Junoma“ erweitert, um den Zugang noch weiter zu erleichtern.

Wie geben Sie Unterstützung und Hilfe?

Die JugendNotmail deckt ein breites Spektrum an Beratungsleistungen ab: Von der längerfristigen Mailberatung über regelmäßige Live-Chats bis hin zu speziellen Themenchats, die wöchentlich stattfinden. Unsere zentrale Intention ist es, den Jugendlichen durch Empathie und Verständnis lösungsorientierte Hilfestellungen anzubieten. Wir legen großen Wert darauf, die jungen Menschen in ihrer Selbsthilfekompetenz zu stärken und ihnen zur Seite zu stehen.

Ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit liegt auf der Suizidprävention. Dafür wurde ein spezielles Team etabliert, das Nachrichten mit suizidalem Inhalt priorisiert und innerhalb von 24 Stunden beantwortet. Ergänzend gibt es eine fachkundige Person, die im Notfall rund um die Uhr verfügbar ist, um in kritischen Situationen sofort reagieren zu können.

Wichtig zu erwähnen ist, dass all unsere Berater:innen ehrenamtlich arbeiten und erfahrene, diplomierte Fachkräfte aus den Bereichen Psychologie, Sozialpädagogik und Soziale Arbeit mit Zusatzausbildungen sind.
Diese Kombination aus fachlicher Expertise und dem selbstlosen Einsatz unserer Ehrenamtlichen ermöglicht es uns, ein hohes Maß an qualitativer Beratung anzubieten.

Die Vision von Claudine Krause, einen Raum für offene und ehrliche Kommunikation ohne Angst vor Stigmatisierung zu schaffen, hat sich somit zu einem lebenswichtigen Angebot entwickelt. Die JugendNotmail bietet nicht nur eine Anlaufstelle für junge Menschen in Krisensituationen, sondern fördert auch das Bewusstsein und die Prävention zu Themen, die in der Gesellschaft oft noch immer tabuisiert sind.

Aufklärung ist sehr wichtig. Wie fördern Sie die Prävention?

Die Prävention und Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen ist ein zentraler Bestandteil unserer Arbeit bei der JugendNotmail. Ein wesentliches Instrument unserer Präventionsstrategie ist die Nutzung sozialer Medien wie TikTok und Instagram, um eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.
Wir legen großen Wert darauf, Themen rund um die psychische Gesundheit öffentlich und zugänglich zu diskutieren. So haben wir beispielsweise in Kooperation mit der DBK, einer Suchtklinik für Jugendliche, eine Themenwoche auf Instagram durchgeführt. Ziel war es, der Stigmatisierung von Sucht im Jugendalter entgegenzuwirken. Durch die fachliche Unterstützung der Expert:innen der Suchtklinik konnten wir unserer Community qualitativ hochwertige und informative Inhalte bieten. Gemeinsam haben wir Vorurteile reflektiert. In einer abschließenden Fragerunde beantworteten Jugendliche mit Suchterfahrung anonym Fragen aus der Community. Dadurch konnten wir unserer Community einen noch tieferen Einblick und eine direktere Interaktion mit den von Sucht Betroffenen ermöglichen.

Im Mai planen wir eine weitere Themenwoche rund um den Welt-Schizophrenie-Tag. Unser Ziel ist es, Betroffenen eine Plattform zu bieten und gemeinsam mit ihnen Beiträge zu erstellen. Dies soll dazu beitragen, Vorurteilen und der Stigmatisierung dieser psychischen Erkrankung entgegenzuwirken.
Wir sind überzeugt, dass es wichtig ist, in einer Gesellschaft, die in vielen Bereichen über psychische Erkrankungen aufgeklärt erscheint, die Aufmerksamkeit darauf zu lenken, dass es immer noch Erkrankungen gibt, über die nicht gesprochen wird – oft, weil die Symptome der Betroffenen als “zu unangenehm” empfunden werden.

Zusätzlich ist im September eine Kampagne zum Weltsuizidtag geplant. Mit dieser Kampagne möchten wir das Schweigen über Suizidgedanken im Jugendalter brechen und für einen sensiblen Umgang mit Betroffenen sensibilisieren. Unsere Präventionsarbeit zielt darauf ab, ein breites Bewusstsein für die Wichtigkeit mentaler Gesundheit zu schaffen und gleichzeitig konkretes Wissen und Strategien für den Umgang mit psychischen Erkrankungen zu vermitteln.

Durch diese vielfältigen Ansätze in der Präventionsarbeit streben wir an, ein unterstützendes Umfeld zu schaffen, das junge Menschen ermutigt, offen über ihre Probleme zu sprechen und frühzeitig Hilfe zu suchen.

Welche Fragen werden Euch am häufigsten von den Kindern und Jugendlichen gestellt?

Die häufigsten Fragen von Kindern und Jugendlichen in unserer Beratung drehen sich oft um das Thema Familie, das an erster Stelle steht. Dabei suchen die Ratsuchenden häufig Unterstützung bei familiären Konflikten oder Schwierigkeiten im familiären Umfeld. An zweiter Stelle stehen Fragen zu Depressionen und Ängsten, bei denen die Betroffenen häufig nach Bewältigungsstrategien und Unterstützung suchen. An dritter Stelle steht das Thema Suizidalität mit Fragen zur Krisenbewältigung, Hilfesuche und zum Umgang mit Suizidgedanken.

Wo ist die Beratung der JugendNotmail zu finden? Wie kann man Kontakt aufnehmen?

Die Beratung der JugendNotmail ist sowohl über unsere App, die in den App Stores unter dem Namen „Junoma“ zu finden ist, als auch über unsere Website www.Jugendnotmail.de erreichbar. Ratsuchende haben somit die Möglichkeit, uns entweder über die App oder über die Website zu kontaktieren und Unterstützung zu erhalten.

Sunpass-Auszeichnung für Kitas

Zu viel Sonne im Kindesalter gilt als Hauptrisikofaktor für die Entstehung des schwarzen Hautkrebses. Die Präventionskampagne der Europäischen Hautkrebsstiftung (ESCF) setzt deshalb schon bei den Jüngsten an. In den Sonnenschutz-Kindertagesstätten, die am Projekt teilnehmen, lernen die Kinder spielerisch, sich wirksam vor zu starker Sonneneinstrahlung zu schützen.

Das Ziel von „SunPass“ ist es:

  • die UV-Belastung für Kinder in Einrichtungen der kindlichen Lebenswelt zu reduzieren,
  • das Bewusstsein von Erzieherinnen und Erziehern sowie Eltern zu stärken,
  • langfristig die Zahl der Hautkrebs-Neuerkrankungen zu senken.

Möchten Sie, dass auch Ihre Kindertagesstätte am „SunPass“-Projekt teilnimmt und die Auszeichnung zur Sonnenschutz-Kindertagesstätte erhält? Dann melden Sie sich bei der Krebsgesellschaft MV.

Präventionsprojekt „Mobbingfreie Schule“

Allen weiterführenden Schulen in Mecklenburg-Vorpommern steht ein neues Angebot für die Präventionsarbeit gegen Mobbing und Gewalt zur Verfügung. Die Techniker Krankenkasse und das Bildungsministerium bieten das Präventionsprojekt „Mobbingfreie Schule – Gemeinsam Klasse sein“ seit dem Schuljahr 2023/2024 flächendeckend an. Hierfür sind im vergangenen Schuljahr Multiplikatorinnen ausgebildet worden.

Das Projekt „Mobbingfreie Schule – Gemeinsam Klasse sein“ ist eine Weiterentwicklung des bundesweit eingesetzten Anti-Mobbing-Koffers der Techniker Krankenkasse und versetzt Schulen in die Lage, gezielt und präventiv gegen Mobbing und Gewalt vorzugehen. Kernelement des Projekts ist eine Online-Plattform. Sie bietet alle Materialien wie Leitfäden, Filme, Arbeitsblätter und Übungen zum Download sowie weiterführende Hinweise für Schulen, zum Beispiel zur Mobbing-Intervention, zum Einbeziehen der Eltern.

Weitere Informationen: www.gemeinsam-klasse-sein.de

Pressemitteilung: Ministerium für Bildung und Kindertagesförderung MV

„Mental Health Coaches“ in Schulen

Damit Schülerinnen und Schüler die aktuellen Krisen besser bewältigen können, hat Bundesfamilienministerin Lisa Paus ein Präventionspogramm zur mentalen Gesundheit an Schulen ins Leben gerufen. In bundesweit mehr als 100 Einrichtungen sollen speziell ausgebildete „Mental Health Coaches“ Schülern und Schülerinnen helfen, mit Sorgen und Problemen besser klarzukommen.

Die Mental Health Coaches sollten an den Schulen Raum für Gespräche schaffen und den Schülern und Schülerinnen Mut machen, sich bei psychischen Problemen Hilfe zu holen. Die junge Generation brauche mehr Aufmerksamkeit und Stärkung, so Paus. Auch dazu werde mit den „Mental Health Coaches“ beigetragen.

Die Coaches – Fachkräfte aus den Bereichen Sozialpädagogik, Sozialarbeit und Psychologie – kommen ab der fünften Klasse zum Einsatz. Sie sollen dort mithilfe von präventiven Gruppenangeboten das Wissen der Schülerinnen und Schüler über mentale Gesundheit erweitern sowie über Hilfsangebote bei psychischen und sozialen Problemen informieren. Die Bundesregierung fördert das Modellprogramm mit zehn Millionen Euro.