Trennung – Eine Herausforderung für alle Familienmitglieder

Wie lange brauchen Kinder, um eine Trennung zu verarbeiten?

Nach einer Trennung hat sich der Alltag komplett verändert und verlangt große Anpassungsleistungen von allen Beteiligten ab. Das Alter des Kindes, sein Temperament, die bisherige Beziehungsqualität zu den Eltern, das Verhältnis zu anderen familiären Bezugspersonen sowie der Umgang der Eltern mit der Trennung stellen Einflussfaktoren dar, wie ein Kind die Trennung seiner Eltern verarbeitet. Pauschalieren kann man das demnach nicht. Für Kinder bedeutet die Trennung ihrer Eltern eine große Verunsicherung und es kann zudem Ängste schüren: Wenn ein Elternteil plötzlich geht, woher soll das Kind wissen, dass der andere das nicht auch noch tut und es dann ganz allein ist? Die Veränderungen durch die Trennung befeuern das kindliche Bindungssystem enorm. Eine Trennung der Eltern zu erleben ist noch herausfordernder, wenn die Mädchen und Jungen den andauernden Streit und die Auseinandersetzungen ihrer Eltern über einen längeren Zeitraum miterleben. Ein bedeutsamer Grundsatz ist, dass wir dem Kind Geduld entgegenbringen sollten, denn es braucht Zeit, sich an diese neue Lebenssituation anzupassen. Zudem hat jedes Kind sein eigenes Tempo und nebenbei noch andere Entwicklungsaufgaben, die es zu meistern hat.
Anika Waschkawitz

Was sollten Eltern beachten, um das Wohl ihrer Kinder im Blick zu behalten?

Die wichtigste Erfahrung, die ein Kind nach der Trennung seiner Eltern machen sollte, ist, dass es die Sicherheit erlangen muss, dass es gar keinen Elternteil verlieren wird, sondern sich „lediglich“ das Zusammensein mit den Eltern anders gestaltet. Ein Kind liebt immer beide Elternteile. Was das Trennungskind demnach dringend braucht, um nicht in einen Loyalitätskonflikt zu geraten, ist das Einverständnis, dass es weiterhin beide Eltern lieben darf. Wichtig ist deshalb, klarzumachen: „Wir trennen uns, aber wir bleiben deine Mama und dein Papa- ein Leben lang“.

Mit der Trennung der Eltern werden bei dem Kind eine Vielzahl an Emotionen hervorgerufen. Mädchen und Jungen müssen die Möglichkeit erhalten, dass sie diese Gefühle ausdrücken dürfen und dass ihnen dabei geholfen wird, diese in einer konstruktiven Weise zu bewältigen. Dazu ist es notwendig, die eigene Haltung zu Emotionen zu überdenken, denn nicht selten werden kindliche Emotionen noch immer als eine Last im Familienalltag angesehen. Wenn Kinder jedoch lernen, ihre Gefühle zu unterdrücken, kann das fatale Folgen haben. Ein wichtiger Aspekt stellt dabei auch der Umgang mit unseren eigenen Emotionen dar. Eine Trennung ist ein Wandlungsprozess für alle Beteiligten. Man darf sich in der Rolle als Mutter oder Vater auch die Zeit geben, um die eigenen Gefühle zu ordnen, denn nur so kann man Kurs auf eine neue Zukunft nehmen. Gerade in Krisenzeiten muss Eltern bewusst sein, dass es ihre Aufgabe ist, ihre Kinder zu begleiten, mit dieser Herausforderung umzugehen. Kinder entwickeln dadurch ein inneres Konzept, das sie bei einer anderen Krise im Leben anwenden werden. Darum ist es von großer Bedeutung, dass Eltern sich Hilfe holen, wenn sie spüren, dass sie von ihren eigenen oder den Emotionen ihrer Kinder überrollt werden.

Mädchen schaut traurig in die Ferne

Was hilft konkret im Alltag?

In dieser Umbruchszeit der Elterntrennung helfen klare Strukturen im Alltag. Das betrifft einerseits die Verlässlichkeit, wenn es um den Umgang mit beiden Elternteilen geht, aber andererseits auch ein strukturierter Tagesablauf, der ebenso Orientierung und Sicherheit bietet. Dabei spielen Rituale eine bedeutungsvolle Rolle, denn sie bestätigen die vorhandene Beziehung, den persönlichen Zusammenhalt und geben Stabilität. Die Gestaltung der Zeit mit den Kindern wird nun eine neue Dimension erreichen, da man die Kinder zu bestimmten Zeiten einfach nicht mehr bei sich haben wird, wenn sie Umgang mit dem anderen Elternteil haben. Die Frage ist demnach, wie wir die Zeit mit unseren Kindern gestalten wollen? Woran sollen sich unsere Kinder einst erinnern, wenn sie von ihrer Kindheit sprechen? Diese wesentliche Frage lässt uns daran erinnern, welchen Platz wir als Mama oder Papa für unser Kind einnehmen wollen. Die Gestaltung bewusst freudvoller Momente stärken nicht nur das Band zwischen Elternteil und Kind, sondern stellen zudem einen Schutzfaktor dar, wenn es sich um die psychische Widerstandsfähigkeit handelt.

Was ist Ihre Aufgabe / Ihr Angebot bzw. womit können Sie Trennungskindern helfen?

Eltern berate ich ganzheitlich in ihrer individuellen Trennungssituation und stärke sie, um die gemeinsame Elternverantwortung für ihre Kinder ausüben zu können. Am Anfang steht dabei das Bewältigen von eigenen Emotionen, denn unter negativen Emotionen können keine vernünftigen Entscheidungen getroffen werden und somit dem Aufbau einer von der Paar-Ebene getrennten Elternschaft im Wege stehen. Ich helfe betroffenen Müttern und Vätern ganz bewusst von ihrem bisherigen gemeinsamen Leben und von den damit verknüpften Hoffnungen und Gewohnheiten Abschied zu nehmen, damit sie neue Zieldimensionen entwickeln können, wobei sie neben dem Fokus auf das Kind, auch sich selbst nicht aus dem Blick verlieren. Die Neukonzeptualisierung des Selbstbildes spielt nämlich eine wichtige Rolle nach der Elterntrennung: Wer bin ich jetzt als getrennt lebende Frau oder getrennt lebender Mann? Aber auch Biografie-Arbeit stellt einen wesentlichen Aspekt in der Begleitung von Trennungsfamilien dar, denn jeder Mensch trägt seine eigene, unsichtbare Lebensgeschichte in sich, die Wünsche, Motivationen, aber auch implizite Abneigungen und Vermeidungsstrategien beinhaltet.

Für Kinder biete ich sogenannte Trennungskindergruppen an, in denen Kinder sich mit anderen betroffenen Mädchen und Jungen austauschen können und ihnen der Raum für alle Emotionen gehalten wird. Somit begleite ich Kinder einfühlsam durch ihren individuellen Trauerprozess. Ziel ist es, Kindern die Möglichkeit zu bieten, sich ihrer eigenen Gefühle bewusst zu werden, ihre Gefühle auszudrücken, einen konstruktiven Umgang mit diesen zu erlernen sowie Empathie mit und für andere zu entwickeln. Sie erfahren sich als aktive Gestalter ihres Lebens und lernen sich selbst besser kennen und verstehen. Die Mädchen und Jungen können in solch einer Gruppe erleben, dass sie mit ihrer Verlusterfahrung nicht allein sind. Wir gehen gemeinsam ein Stück des Weges und das gibt Halt in dieser herausfordernden Zeit der Elterntrennung.

Pädagogischen Fach- und Lehrkräften stehe ich zur Seite, indem ich ihnen Wege aufzeige, wie sie Trennungsfamilien im Kontext Kita oder Schule ganzheitlich unterstützen können. Zudem biete ich Trennungskinder-Gruppen auch niedrigschwellig in der jeweiligen Schule oder Kita für betroffene Kinder an. Ich stärke die Erziehungs- und Bildungspartnerschaften in den frühkindlichen Bildungsinstitutionen, indem ich thematische Themenabende für Eltern zu dieser herausfordernden Thematik durchführe. Bei Bedarf führe ich auch Elternkurse in Schulen und Kitas durch und begleite damit betroffene Familien bei ihrem individuellen Prozess zu einer lebenslangen, gemeinsamen Elternschaft. Da das Thema sozial-emotionale Kompetenzen für die Entwicklung von Kindern von ganz besonderer Bedeutung ist und zum gesetzlich verankerten Bildungsauftrag gehört, sensibilisiere ich pädagogische Fach- und Lehrkräfte für die Bedeutung von Emotionen hinsichtlich frühkindlicher Bildungsprozesse.

Bei Interesse oder weiteren Informationen nehmen Sie gern direkt den Kontakt auf unter info@emotionsbewegung.de. In einem Expertenchat können Sie bald auch konkrete Fragen zu Ihrer Trennung stellen, beispielsweise zur richtigen Wahl des Betreuungsmodells oder aber wie sie Ihren Kindern von Ihrer Trennung erzählen sollen. Den Termin erfahren Sie über die Website der FamilienInfo MV.

Vielen Dank für das Gespräch!

Weitere Informationen zum Thema Trennung finden Sie in unserer gleichnamigen Lebenslage auf der FamilienInfo MV.

MV unterstützt Hilfetelefon für Männer

Mecklenburg-Vorpommern unterstützt das Angebot des Männer-Hilfetelefons und ist dem Projekt beigetreten. Unter der Telefonnummer 0800 123 99 00 sowie die Webseite wird männlichen Opfern von häuslicher oder sexualisierter Gewalt Hilfe angeboten. Gestartet wurde dieses Hilfetelefon für Männer im Jahr 2020 in Nordrhein-Westfalen und Bayern. Im Jahr 2021 hatte sich Baden-Württemberg angeschlossen, Ende 2022 nun auch Mecklenburg-Vorpommern.

Gleichstellungsministerin Jacqueline Bernhardt bedauert die Notwendigkeit dieses Angebots, sieht aber eben auch den Handlungsbedarf: „Laut Statistik hat sich im vergangenen Jahr die Zahl der Anrufer um 50 Prozent gesteigert. Ende November 2022 hatten rund 4.000 Männer unter der Nummer Hilfe gesucht. Das waren nicht nur Hilfesuchende aus Bayern, NRW und Baden-Württemberg, sondern aus ganz Deutschland. Daher sehe ich es auch für uns in Mecklenburg-Vorpommern als sehr wichtig an, dieses Angebot bekannt zu machen. Kein Opfer von häuslicher oder sexualisierter Gewalt darf vergessen werden.“

StrelaKIDS e.V.

FamilienApp: Familien-in-LUP

Die FamilienApp bietet eine zentrale Plattform für die Angebote für Familien im Landkreis Ludwigslust-Parchim. Sie ist Schnittstelle zwischen Akteuren und Familien und kann überall in Anspruch genommen werden. (Werdende) Eltern und Familien finden durch die FamilienApp Angebote, Termine und Informationen, die zu ihren Bedürfnissen, ihrer Lebenssituation passen und das wohnortnah. Wichtige Informations- und Beratungsstellen lassen sich praktischerweise über Schlagworte oder Postleitzahlen filtern. So kann direkt der/die richtige Ansprechpartner*in für das jeweilige Anliegen gefunden werden.

Die „Digitalen Engel“ weiter auf Tour

Das Internet bietet viele Chancen und Möglichkeiten, den Alltag zu bereichern und zu erleichtern. Hilfe bei Einkäufen, Behördengängen oder auch der Austausch mit Familie und Freunden. Digitalisierung ist kein Selbstzweck, denn Dabei sein! Online im Alter! bedeutet, die unzähligen Möglichkeiten des Internets kompetent, sicher und vor allem selbstbestimmt nutzen zu können. Das Projekt „Digitaler Engel“ richtet sich an ältere Menschen, die digitale Kompetenzen erwerben wollen, um in der Online-Welt sicher zu agieren, und unterstützt Wissensvermittler*innen dabei, ein nachhaltiges und vertrauenswürdiges Angebot vor Ort zu schaffen.

Mit zwei Infomobilen fahren Expertinnen und Experten durch Deutschland und suchen ältere Menschen insbesondere in ländlichen Regionen auf, um mit passenden Angeboten und im persönlichen Austausch direkt vor Ort die Chancen des Internets aufzuzeigen.

Schulbox für Lehrkräfte

Die Folgen, die durch Corona-Pandemie, Angriffskrieg gegen die Ukraine und Klimawandel deutlich spürbar sind, führen aktuell zu Unsicherheiten und einer höheren psychischen Belastung bei Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Um die Beratungsangebote der „Nummer gegen Kummer“ bei Kindern und Jugendlichen bekannter zu machen, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gemeinsam mit Nummer gegen Kummer e.V. eine Schulbox erstellt. Die Schulbox beinhaltet Informationsmaterialien (Flyer, Poster, Infokarten, Sticker) zu den Beratungsangeboten der „Nummer gegen Kummer“. Lehrkräfte bekommen Anregungen an die Hand, wie sie den Umgang mit Sorgen und Probleme im Unterricht thematisieren können.

Tipps & Tricks für’s Stillen

Frau Risy, ist grundsätzlich jede Brust zum Stillen geeignet?

Ja, grundsätzlich ist jede Brust zum Stillen geeignet. Es gibt nur sehr wenige Frauen, die auf Grund ihrer anatomischen Besonderheiten nicht in der Lage sind, ihr Kind zu stillen. Die Stillfähigkeit (oder die Fähigkeit der Brust, Muttermilch zu bilden) hängt auch nicht von der Form oder der Größe der Brust ab. Ihr Anteil an Drüsengewebe ist für die Milchbildung entscheidend.

Brauchen gestillte Kinder zusätzliche Getränke wie Tee oder Wasser?

Nein, gestillte Kinder benötigen keine zusätzlichen Flüssigkeiten. Die Muttermilch enthält ausreichend Wasser um den Durst des Kindes zu stillen. Selbst bei hohen sommerlichen Temperaturen reicht die Muttermilch vollkommen aus. In dieser Zeit werden die Kinder allerdings häufiger trinken wollen, um ihren Durst zu löschen.
Schwester Vera begletet die Mütter im DBK auf ihrem Weg zum Stillen.

Woher weiß ich, ob mein Kind genug Milch bekommt?

Als erstes schätzen Sie ein, ob Ihr Kind effektiv an der Brust trinkt. Das heißt: Saugt es kräftig und korrekt? Hören Sie es regelmäßig schlucken? Trinkt es ausdauernd? Können Sie diese Fragen mit „Ja“ beantworten und ist Ihr Kind nach dem Stillen zufrieden, ist dies schon einmal ein gutes Zeichen. Weiterhin sind wertvolle Merkmale für das effektive Stillen die Ausscheidungen, die Hautfarbe, der Allgemeinzustand und die Gewichtszunahme Ihres Kindes. In den ersten 4-6 Lebenswochen sollte Ihr Kind 5 bis 6 nasse Windeln und 2 bis 5 Mal am Tag Stuhlgang haben. Danach weiterhin die nassen Windeln, aber die Stuhlhäufigkeit kann nun sehr schwanken, von 3 Mal am Tag bis zu 1 Mal in 2 Wochen ist alles möglich. Hat Ihr Kind eine rosige Hautfarbe und macht es in seinen Wachzeiten einen aufmerksamen, lebhaften Eindruck und wächst es perzentilengerecht nach den WHO-Wachstumskurven für gestillte Kinder (diese finden Sie im Kinderuntersuchungsheft), dann können Sie als Mutter davon ausgehen, dass Ihr Kind genug Muttermilch bekommt.

Was kann ich tun, wenn ich zu wenig Milch habe?

Das Phänomen des angeblichen Milchmangels ist ein sehr häufiges Problem und auch eine der größten Ängste stillender Frauen. Wenn Ihr gestilltes Kind mal etwas unruhiger ist oder an manchen Tagen öfter stillen möchte als an anderen, bekommen Sie als junge Mutter sehr häufig die Frage „Hast du denn genug Milch?“ zu hören. Dann sind sie schnell verunsichert und denken vielleicht schon über das Zufüttern von künstlicher Nahrung nach. Aber bitte schauen Sie sich erst einmal Ihr Kind an. Gedeiht Ihr Kind, hat es ausreichende Ausscheidungen und treffen auch all die anderen Aussagen zu (Frage Nr. 3), dann haben Sie ausreichend Muttermilch.

Sind aber doch Anzeichen dafür gegeben, dass Ihr Kind nicht mehr ausreichend Muttermilch bekommt, können Sie durch die Veränderung in Ihrem Stillmanagement Ihre Milchbildung wieder anregen. Z.B. wecken Sie Ihr Kind wenn es zu lange schläft oder auch beim Stillen einschläft, ohne vorher effektiv getrunken zu haben. Nehmen Sie sich viel Zeit zum Kuscheln mit Ihrem Kind. Essen sie nahrhafte, gesunde Mahlzeiten. Sollte das Stillverhalten Ihres Kindes nicht ausreichen, um Ihre Milchbildung zu fördern, können Sie vorübergehend zusätzlich elektrisch abpumpen. Auch gibt es pflanzliche oder homöopathische Mittel, die zusätzlich die Milchbildung fördern können. In diesem Fall ist es ganz besonders wichtig, dass Sie von einer kompetenten Person begleitet werden, entweder Ihre Hebamme oder eine Stillberaterin.

Stillen kann auch schnell mal schmerzhaft werden, was muss ich bei einem Milchstau / einer Brustentzündung tun?

Ein Milchstau ist immer das Ergebnis einer Entleerungsstörung der Brust. Diese ist meist bedingt durch Stresssituationen für die junge Mutter. Sollten Sie bemerken, dass ein Bereich Ihrer Brust gerötet oder verhärtet und schmerzhaft ist, Sie sich unwohl fühlen (z.B. grippeähnliche Symptome) und erhöhte Temperaturen haben, kann es sein, dass sie einen sogenannten Milchstau haben. Die erste Behandlungsmethode ist Ruhe, Ruhe, Ruhe. Vermeiden Sie Stress. Informieren Sie Ihre Hebamme um die weiteren Maßnahmen zu besprechen. Sollten Ihre Symptome unter diesen Maßnahmen innerhalb von 48 Stunden nicht abklingen, suchen Sie bitte Ihren behandelnden Gynäkologen auf oder stellen Sie sich in der Klinik vor. Die Behandlung eines Milchstaus sowie einer Mastitis (Brustentzündung) sollten immer unter fachkundiger Beratung erfolgen.

Als stillende Mama hört man ja öfter mal, dass man nicht alles essen darf/soll. Ist da etwas dran?

Sicherlich haben Sie schon diese Sätze gehört: „Du darfst jetzt keine Linsensuppe essen! Sonst bekommt dein Baby Bauchschmerzen.“ Oder: „Iss bloß keine Apfelsinen! Dein Baby wird sonst wund am Po.“ Tatsächlich gibt es wissenschaftlich keine Gründe dafür, dass sich die Ernährung der Mutter auf Bauchschmerzen oder Wundsein ihres gestillten Kindes auswirkt. Dass, was im Volksmund erzählt wird sind Erfahrungsberichte von anderen stillenden Müttern, die aber sehr individuell sind. Jedes Mutter-Kind-Paar reagiert anders. Sie als stillende Mutter sollen sich gut ernähren, eiweißreich, vitaminreich, ballaststoffreich und vielseitig. Die Empfehlung lautet also: Sie können alles essen. Achten Sie bei Ihrer Ernährung aber bitte auf Lebensmittel, auf die Sie selber mit Blähungen reagieren und probieren Sie diese zunächst vorsichtig aus. Sollte Ihr Kind Bauchschmerzen bekommen oder wund werden, überlegen Sie, was Sie am Vortag oder am Morgen anderes als sonst gegessen haben und lassen dieses Nahrungsmittel vorerst weg und probieren es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.

Welche Stillpositionen gibt es und was ist beim Anlegen wichtig?

Es gibt verschiedene Positionen um Ihr Kind zum Stillen anzulegen. Als klassische Stillposition gilt wohl die „Wiegehaltung“. Zum Erlernen des Stillens oder für kleine schläfrige Kinder eignet sich sehr gut das Stillen in der „Rückenhaltung“ oder „Football-Haltung“. In dieser Position halten Sie Ihr Kind sicher und Sie können gut einsehen, wie es an der Brust saugt. Das „Stillen im Liegen“ ist sehr gut für die Nacht und für erschöpfte Mütter geeignet. Mütter, die schon ein oder mehrere Kinder gestillt haben fühlen sich auch mit der zurückgelehnten Stillposition sehr wohl. Hierbei lehnen Sie sich bequem zurück und Ihr Kind liegt bäuchlings auf Ihnen und kann die Brust so selber finden. Egal in welcher Position Sie sich am wohlsten fühlen, am wichtigsten ist das korrekte „Andocken“ Ihres Kindes an Ihre Brust und dann das ausdauernde Saugen. Sie selber sollten es bequem haben und nicht verspannt sein.

Worauf sollte man achten, wenn man Muttermilch abgepumpt hat? Wie lange ist diese haltbar?

Es gibt Situationen, in denen es sehr sinnvoll ist, etwas Muttermilch als Reserve parat zu haben. Sollten Sie vorhaben, sich einen kleinen Vorrat an Muttermilch anzulegen, pumpen Sie nach dem Stillen 1 bis 3 Mal am Tag Muttermilch elektrisch oder mit einer guten Handpumpe ab. Die abgepumpte Muttermilch können Sie 3 Tage frisch im Kühlschrank oder bis zu 6 Monaten tiefgekühlt bei mindestens – 18° Celsius lagern.

Ab wann sollte ein Baby Beikost erhalten? Gibt es Signale, die zeigen, dass das Baby bereit ist?

Als Beikost wird die zusätzliche festere Nahrung bezeichnet, die Ihr Kind außer dem Stillen zu sich nimmt. Zur Einführung der Beikost sollte Ihr Kind physiologisch reif sein. Das heißt, Ihr Kind kann sich vom Rücken auf den Bauch drehen (diese Rotationsbewegung ist wichtig für die Verdauung der neuen Nahrung), kann mit etwas Unterstützung aufrecht sitzen (um die Nahrung besser zu verdauen), zeigt Interesse am Familienessen. Jedes Kind ist unterschiedlich in seiner Entwicklung. Es kann sein, dass ein Kind schon mit 5 Monaten diese Voraussetzungen erfüllt, ein anderes erst mit 7 oder 8 Monaten. Also ist der Zeitpunkt immer individuell. Sollte Ihr Kind schon diese Reifezeichen zeigen und Sie haben schon versucht Ihrem Kind etwas pürierte Nahrung mit einem Löffel oder etwas halbgargekochte Möhre in die Hand gegeben und Ihr Kind hat diese Nahrung wieder mit seiner Zunge herausgeschoben, so kann dies auch ein Zeichen dafür sein, dass es noch nicht bereit ist zum Essen fester Nahrung. Geben Sie nicht auf und versuchen es einfach ein paar Tage später erneut. Die Einführung der Beikost sollte immer unter dem Schutz der Muttermilch geschehen, das heißt, Sie stillen weiterhin und ersetzen Stillmahlzeiten erst dann, wenn Ihr Kind eine Portion isst.

Eine persönliche Frage zum Schluss: Was empfinden Sie an Ihrer Tätigkeit als besonders erfüllend?

Dabei zu sein und mitanzusehen, wie sich die frischgebackene Mutter und ihr Neugeborenes anstrahlen und sich nach der Geburt wieder neu in einander verlieben ist wirklich sehr berührend für mich. Wenn ich miterleben kann, wie sich eine hochmotivierte Mutter nach einer schweren Geburt so viel Mühe gibt, ihr Baby zu stillen und das kleine Menschenkind dann endlich an der Brust trinkt und ich sehe die strahlenden Augen der Mutter und das entspannte Gesicht des Babys – das sind für mich die schönsten Momente in meiner Arbeit. Ich freue mich immer sehr, wenn wir eine Familie sicher und stillend nach Hause entlassen können. Dann weiß ich, dass wir hier in unserem Team eine gute Arbeit geleistet haben.

Wir haben Stillberaterin Vera auch weitere Fragen rund um’s Stillen gestellt, ihre Tipps und Tricks finden Sie in der Woche vom 03. – 09. Oktober auf unserer Facebook und Instagram-Seite. Interessieren Sie sich über weitere Themen rund um die Geburt empfehlen wir Ihnen unseren Themenbereich „Schwangerschaft und Geburt“.

 

Hintergrundinformationen:

Jedes Jahr in der 40. Kalenderwoche findet die Weltstillwoche statt, eine von der World Alliance for Breastfeeding Action (WABA) organisierte Aktionswoche. Ziel der Weltstillwoche ist es, Stillen als natürliche und selbstverständliche Ernährung für Säuglinge in den Mittelpunkt zu stellen und sowohl Familien als auch die Gesellschaft über die positiven Effekte des Stillens zu informieren. Vom 3. bis 9. Oktober 2022 findet die diesjährige Weltstillwoche statt. Unter dem Motto „Stillen – eine Handvoll Wissen reicht.“ machen Akteure und Institutionen darauf aufmerksam, dass Stillen mit dem richtigen Wissen und fachlicher Unterstützung einfacher und gut gelingen kann.

Die Frühen Hilfen in Mecklenburg-Vorpommern umfassen verschiedene Unterstützungsangebote. Diese werden in Netzwerken Frühe Hilfen koordiniert. Hier arbeiten Fachkräfte aus unterschiedlichen Bereichen der Frühen Hilfen zusammen: Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, der Schwangerschaftsberatung, der Frühförderung und der Kinder- und Jugendhilfe und noch viele mehr. Die Fachkräfte tauschen ihr Wissen über ihre jeweiligen Angebote aus und stimmen diese aufeinander ab, um Sie als Familie bestmöglich unterstützen zu können. Netzwerkkoordinator*innen steuern und begleiten die Vernetzungsarbeit in Ihren Landkreisen und kreisfreien Städten.

Filme rund um die Geburt für Fachkräfte und Eltern

In zwei Filmen greift das NZFH wichtige Themen rund um die Geburt auf.

„Stillen: passt das zu mir?“: In dem siebenminütigen Film informiert eine Familienhebamme über das Stillen und den Stillbeginn. Dabei greift sie typische Fragen und Bedenken von Schwangeren auf. Der Film informiert schwangere Frauen und Eltern außerdem über Fachkräfte und Anlaufstellen in Netzwerken Frühe Hilfen, die bei Fragen zum Stillen weiterhelfen. (Info: Die diesjährige Weltstillwoche findet vom 03.-09. Oktober statt)

„Schwere Gefühle in der Schwangerschaft und nach der Geburt“: Über Depressionen rund um die Geburt und Anzeichen der peripartalen Depression informiert eine Schwangerschaftsberaterin in dem fünfminütigen Film. Sie ermutigt Betroffene, sich frühzeitig professionelle Hilfe zu holen. Fachkräfte in den Frühen Hilfen können erste Ansprechpersonen sein, Eltern aufklären und in passende Unterstützungsangebote weitervermitteln.

Beide Filme können auf der Website der Frühen Hilfen angesehen werden.

Familienhafen Greifswald am ISBW

Fortsetzung der Ehrenamtstour

Die gemeinsame Ehrenamtstour des Parlamentarischen Staatssekretärs für Vorpommern und das östliche Mecklenburg Heiko Miraß mit der Ehrenamtsstiftung MV und der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt wird im September fortgesetzt. Unter dem Motto „Engagiert für Engagierte“ sind Ehrenamtliche eingeladen, die Beratungs- und Unterstützungsangebote der drei Akteure besser kennen zu lernen und in einen regen Austausch von Erfahrungen und Ideen zu treten. Starttermin ist Donnerstag, der 1. September, um 18.00 Uhr in Woggersin. Danach folgen am 12. September um 18.00 Uhr Schloss Stolpe auf Usedom und am 23. September um 18.00 Uhr das Gutshaus Bobbin in Behren-Lübchin.

Weitere Informationen sowie die Anmeldung zur den einzelnen Veranstaltungen finden Sie auf folgender Website: https://www.ehrenamtsstiftung-mv.de/veranstaltungen/ehrenamtstour/.