FAQ: Was Eltern und Bezugspersonen wissen sollten
Digitale Gewalt in der Schule und im Alltag
Cybermobbing kann Kinder und Jugendliche in allen Altersstufen betreffen – vom Grundschulalter bis zur Oberstufe. Schon Grundschulkinder machen erste Erfahrungen mit digitaler Kommunikation in Klassenchats oder über Spieleplattformen. Auch hier treten bereits Formen von Mobbing auf: Beleidigungen, Ausgrenzung oder die Weiterleitung peinlicher Inhalte. Die betroffenen Kinder fühlen sich verletzt, ziehen sich zurück oder möchten nicht mehr zur Schule gehen.
In weiterführenden Schulen wird Cybermobbing komplexer: Jugendliche erleben digitale Ausgrenzung, das Verbreiten von Gerüchten oder das Veröffentlichen peinlicher Inhalte. Besonders betroffen sind genderdiverse Jugendliche sowie Kinder mit zusätzlichen Belastungen.
erWie häufig Cybermobbing vorkommt, zeigen aktuelle Studien: Laut JIM-Studie 2024 berichten 11 % der Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren, dass sie bereits persönlich beleidigt wurden (S. 53). 18,5 % aller befragten Jugendlichen waren bereits direkt von Cybermobbing betroffen (Cyberlife V, 2024, S. 90). Eine Studie der Techniker Krankenkasse ergänzt, dass Cybermobbing zu einem Dauerproblem geworden ist: 16,7 % der Schüler*innen sind betroffen – das entspricht mehr als 1,8 Millionen Kindern und Jugendlichen.
Neben der psychischen Belastung fehlt vielen Betroffenen ein sicherer Raum, um darüber zu sprechen. Deshalb ist es wichtig, Ansprechpersonen wie Lehrkräfte, Schulsozialarbeit oder Online-Beratungen bekannt und erreichbar zu machen. Frühzeitige Medienbildung und Gespräche über digitale Regeln können helfen, Risiken zu erkennen und zu vermeiden.
Formen von Cybermobbing
Cybermobbing kann viele Gesichter haben. Zu den häufigsten Formen gehören:
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Beleidigungen oder Beschimpfungen in Chats oder Kommentaren
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Verbreitung von Gerüchten oder Unwahrheiten
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Bloßstellung durch peinliche Bilder oder Videos
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Ausgrenzung aus Gruppen oder Klassenchats
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Erpressung und Bedrohung per Nachricht
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Identitätsdiebstahl, z. B. durch Erstellen falscher Profile
Viele dieser Handlungen sind nicht nur verletzend, sondern können auch strafrechtlich relevant sein. Beleidigung, Bedrohung, üble Nachrede, Nötigung, Verletzung des Persönlichkeitsrechts oder das Verbreiten intimer Bilder ohne Einwilligung sind in Deutschland strafbar. Auch Kinder und Jugendliche können – je nach Alter – dafür zur Verantwortung gezogen werden.
Eltern sollten wissen: Die Polizei nimmt Anzeigen auch bei digitalen Delikten ernst. Eine Beratung durch Vertrauenslehrkräfte, Schulsozialarbeit oder externe Stellen kann helfen, die nächsten Schritte gut zu planen.
Woran erkenne ich, dass mein Kind betroffen ist?
Cybermobbing wirkt sich oft deutlich auf das Verhalten und Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen aus. Typische Anzeichen, auf die Eltern achten sollten, sind:
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starke Gefühle wie Verletztheit, Wut oder Angst (laut Studie Cyberlife IV)
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bedrückte Stimmung, Rückzug und Verschlossenheit
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häufige körperliche Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen
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zunehmendes Schulvermeiden und schlechtere schulische Leistungen
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Schlafprobleme
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Rückzug in digitale oder Fantasiewelten, z. B. Online-Spiele
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in manchen Fällen auch der Griff zu Drogen oder Tabletten
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schwerwiegende Folgen wie Depression, selbstverletzendes Verhalten oder Suizidgedanken
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Minderwertigkeitsgefühle und Selbstzweifel
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Gefahr, selbst zum Täter zu werden (Selbstjustiz)
Was Eltern beachten sollten
Kinder und Jugendliche brauchen auch im digitalen Raum Orientierung und Begleitung – ähnlich wie im Straßenverkehr. Eltern können dabei viel bewirken, indem sie Interesse am digitalen Alltag ihrer Kinder zeigen und im Gespräch über genutzte Apps, Spiele und Plattformen bleiben. Gemeinsam vereinbarte Regeln, etwa zur Bildschirmzeit oder zum Umgang mit persönlichen Daten, geben zusätzlich Sicherheit. Wichtig ist auch, als Vorbild im eigenen Medienverhalten zu handeln, regelmäßig nachzufragen, wie es dem Kind online geht, und Vertrauen zu vermitteln. Ebenso hilfreich ist es, zu wissen, wo es Unterstützung gibt, falls es zu Problemen kommt.
Tipp: Digitale Medien gehören zum Alltag von Kindern. Offene Gespräche, klare Regeln und das Interesse am digitalen Alltag können helfen, Probleme früh zu erkennen. Schulen, Schulsozialarbeit und Beratungsstellen unterstützen dabei.
Erste Hilfe: Was Eltern bei Cybermobbing tun können
Eine klare Struktur kann helfen, wenn Eltern erfahren oder vermuten, dass ihr Kind von Cybermobbing betroffen ist:
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Kind stärken: Ernst nehmen, beruhigen und signalisieren: Du bist nicht schuld.
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Beweise sichern: Screenshots oder Chatverläufe dokumentieren, nicht sofort löschen.
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Täter blockieren und melden: In Apps und Plattformen gibt es Melde- und Blockierfunktionen.
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Gespräch mit Schule oder Betreuung suchen: Lehrkräfte und Schulsozialarbeit frühzeitig einbeziehen.
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Professionelle Hilfe nutzen: Beratungsstellen oder Online-Plattformen können unterstützen.
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Struktur schaffen: Geregelte Medienzeiten, Pausen und analoge Aktivitäten fördern das Wohlbefinden.
Was tun, wenn das eigene Kind mobbt?
Auch Kinder, die andere mobben, brauchen Unterstützung. Entscheidend ist, ruhig zu bleiben und das Verhalten klar zu benennen, ohne vorschnelle Vorwürfe zu machen. Im Gespräch kann es helfen, gemeinsam über Empathie zu sprechen und die Perspektive anderer zu verstehen. Gleichzeitig sollten Kinder darin gestärkt werden, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen, etwa durch eine ehrliche Entschuldigung. Sinnvoll ist es auch, gemeinsam klare Konsequenzen für den Alltag zu vereinbaren. Bei Bedarf können Schulsozialarbeit oder Erziehungsberatungsstellen zusätzliche Unterstützung bieten.
Mobbende Kinder sind keine „bösen“ Kinder. Sie brauchen Führung, Verständnis und Unterstützung, um ihr Verhalten zu verändern.
Anlaufstellen für Eltern: Schulsozialarbeiter*innen, regionale Erziehungsberatungsstellen, Onlineangebote wie bke-beratung.de, wir-in-mv.de oder die Mediation durch Vertrauenslehrkräfte helfen weiter.
Beratung und Hilfe: Anlaufstellen in Mecklenburg-Vorpommern
In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mehrere unterstützende Angebote, die sich gegen Cybermobbing richten und Kinder sowie Jugendliche stärken:
- Wir in MV bündelt Informationen zu Medienbildung und Cybermobbing für Schulen und Familien. Hier finden sich auch Ansprechpartner und Materialien zur Präventionsarbeit in Mecklenburg-Vorpommern.
- Polizeiliche Präventionsberater*innen in MV unterstützen Schulen bei der Aufklärung zu Cybermobbing und Internetgefahren.
- Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern bietet Materialien zur Aufklärung über digitale Gewalt – z. B. den Flyer „Hate Speech und Fake News: 20 Fragen – 20 Antworten“.
- Helden statt Trolle ist ein gemeinsames Projekt des Landeskriminalamtes und der Landeszentrale für politische Bildung MV. Es bietet digitale Unterrichtsmaterialien und Fortbildungen für Schulen.
- Gemeinsam Klasse sein ist ein Präventionsprogramm, das sich an Grundschulen richtet. Es sensibilisiert Kinder, Lehrkräfte und Eltern für Mobbing – analog wie digital – und vermittelt Strategien zur Vorbeugung und Intervention im Schulalltag.
- Law4school ist ein Präventionsprojekt für Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. Es vermittelt rechtliche Grundlagen zu Cybermobbing und klärt über digitale Grenzüberschreitungen auf. Die Inhalte werden über digitale Unterrichtseinheiten vermittelt und richten sich direkt an Schulklassen, Lehrkräfte und Eltern.
- Medienscouts MV sind speziell geschulte Schülerinnen und Schüler, die andere Kinder und Jugendliche an ihrer Schule zu sicherem Verhalten im Netz beraten. Sie arbeiten eng mit Lehrkräften zusammen und stärken die Medienkompetenz in der Schulgemeinschaft.
- Medienguides MV richten sich speziell an Eltern und bieten Orientierung im digitalen Alltag. Sie sind ehrenamtlich tätig, werden geschult und führen Elternabende und Gespräche durch, um einen bewussten Umgang mit Medien zu fördern. Mehr Informationen über die Medienguides gibt es bei der Medienanstalt MV.
- Medienanstalt Mecklenburg-Vorpommern bietet Workshops und Materialien, um den sicheren Umgang mit digitalen Medien zu fördern. Auch Schulen und Familien finden hier praxisnahe Unterstützung und Orientierung bei digitalen Themen.
Jugendämter und Erziehungsberatungsstellen in den Landkreisen und kreisfreien Städten beraten bei Fragen rund um Medienerziehung, Konflikte oder Mobbing.
79 Adressen gefunden
Erziehungs- und Familienberatungsstelle
Internationaler Bund
Schwangerschafts- und Familienberatungsstelle Ueckermünde
Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Uecker-Randow e.V.
Schwangeren- und Familienberatung Pasewalk
Deutsches Rotes Kreuz Kreisverband Uecker-Randow e.V.
Psychologische Beratungsstelle Röbel
Diakonie Mecklenburgische Seenplatte gGmbH
„Das Boot“ Wismar e.V.
Familienlotsendienst in der Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche und Familien
Beratungsstelle – Greifswald
Caritasverband für das Erzbistum Berlin e.V. - Caritas Vorpommern
Bahnhofstraße 16
17489 Greifswald
Diakonie Güstrow e.V.
Beratungszentrum Bützow
Beratung für Familien, Kinder und Jugendliche – Kreisdiakonisches Werk Stralsund e.V.
Kreisdiakonisches Werk Stralsund e.V.
Erziehungsberatung – Schwerin
Sozial-Diakonische Arbeit – Evangelische Jugend
Fachdienst Jugend Fachgruppe Allgemeiner Sozialer Dienst – Schwerin
Landeshauptstadt Schwerin
Frühe Hilfen – Bad Doberan
Landkreis Rostock